Eine kleine Gute-Nacht-Geschichte

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Am 7. Oktober 2010 fuhr ein Lehrerehepaar nach dem Abendessen in einem Aschaffenburger Restaurant in Richtung ihres zu Hauses. Der Mann sitzt am Steuer des Fahrzeugs, seine Frau ist Beifahrerin. Um etwa 20:25 Uhr wird das Fahrzeug des Ehepaares zu einer allgemeinen Verkehrskontrolle gestoppt. Die beiden Ordnungshüter/in untersuchen, ob Verbandskasten und Warndreieck im Auto ordnungsgemäß vorhanden.

Die Beamten fragen den Mann, ob er getrunken habe. Dieser bejahte mit „Ein Bier“ – ein alkoholfreies, wie er im Nachhinein erzählte. Er wurde zum Pusten gebeten. „Mindestens 15-mal habe ich in das Kontrollgerät geblasen.“ Nur erschien auf dem Display kein Wert. Der Herr ist Asthmatiker und so langsam bekam er Atemnot. Die Beamten wurden ungeduldig und glaubten scheinbar der Verdächtige simuliere und drohten mit einer Blutprobe auf der Wache. „Mein Mann war völlig außer Atem, ich habe versucht den beiden klar zu machen, dass er kurz vor einem Asthmaanfall steht. Doch der Polizist hat mich angeschrien, ich solle mich raushalten.“ Die Frau des Verdächtigen wird von dem Polizist zur Seite gedrängt. Noch ein letztes Mal versuchte ihr Mann in das Gerät zu pusten. Diesmal zeigte das Gerät 0,0 Promille. Die Frau erkundigte sich bei den Beamten nach den Namen, da ihr Sohn Strafrichter sei und sich da erkundigen wolle. Die beiden Beamten sagten undeutlich ihre Nachnamen und stiegen zurück in ihr Fahrzeug. Doch der Frau waren waren diese nicht genug. Sie wollte auch die Vornamen wissen.

Doch den vollen Namen sollte sie nicht mehr genannt bekommen. Einer der Beamten sprang aus dem Fahrzeug und rammte der Frau die Faust in den Magen. Anschließend nahm er die Frau in den Polizeigriff und drückte sie auf die Motorhaube. Sie sollte nun wegen „Behinderung der Polizeiarbeit“ festgenommen werden. „Ich habe sofort angefangen zu weinen und ihn angefleht, er solle mich in Ruhe lassen“ Die Frau wurde verhaftet und mit dem Polizeiwagen davon gebracht. Ihr Mann folgte dem Polizeiwagen, der mit Blaulicht davon rauschte.

Im Polizeiwagen zog die Frau eine Hand aus der Schelle. Eine der Beamten bemerkte den Vorgang und rief „Festgenommene befreit sich!“ Der andere Beamte meldet den Vorfall bei der Leitstelle und stoppte den Wagen. Er riss die Frau aus dem Auto „Ich musste mitansehen, wie er meine Frau auf den Gehsteig zerrte und die Handschellen fixierte, während sie weinend auf dem Boden lag.“ Sagte der Ehemann. Sie musste anschließend wieder in den Polizeiwagen.

An der Polizeistation angekommen weigerte sich die Frau aus dem Auto zu steigen. Sie wolle warten, bis ihr Mann ankommt, um einen Zeugen für ihre Behandlung zu haben. „Ich entscheide, was hier geschieht“ meldete sich der Beamte und zog die Frau an den Haaren aus dem Auto. Sie wurde mehrere Meter über den Boden geschleift. Auf der Polizeistation erwartete man einen Schwerverbrecher und durchsuchte die Frau nach Waffen und Drogen. Sie wurde gefragt, ob sie Drogen zu sich genommen habe. Sie verneinte. Die Beamten fragten, ob sie einer Blutprobe zustimme, auch dies verneinte die Frau. „Ich hatte zum Abendessen zwei kleine Gläser Weißwein, ich war nicht betrunken.“ Die Beamten versuchten es mit einem richterlichen Beschluss. So lange wartete die Frau mit zerrissener Kleidung auf den Richter. Auch ein Anruf bei einem Anwalt wurde der Frau verwehrt.

Der zuständige Richter, der um 22 Uhr eintraf gab ein negatives Signal zu der Blutprobe. Der Frau wurden die Handschellen abgenommen und durfte gehen. Der Beamte verabschiedete sich.

Am nächsten morgen ging die Frau zu ihrem Arzt. Die Diagnose: „Psychisch schwerst traumatisierte und in Tränen aufgelöste Patientin, breite gerötete Streifen an beiden Handgelenken und unterhalb der Ellenbogen, massive Schwellungen an der Halswirbelsäule. “ Die Frau verbrachte die anschließenden 3 Wochen im Krankenhaus.

Würzburger Polizeipräsidentin Liliane Matthes stellte sich indes auf die Seite der Polizisten und schreibt in einem zweiseitigen Brief, es habe eindeutige Widersprüche in den Aussagen des Ehepaares gegeben. Was damit genau gemeint war, lies sie völlig offen. Beide Polizisten sagten aus von einer schwer alkoholisierten Frau angegriffen worden zu sein.

Grünen-Landtagsabgeordneten Susanna Tausendfreund will diesen Fall nun genauer im Innenausschuss des Landtags thematisieren.

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/bayern/polizeigewalt-in-aschaffenburg-ausser-kontrolle-geraten-1.1225334

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